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Epilog

Zart schmeichelt ihre Stimme in meinem Ohr, um sich in der nächsten Sekunde zu einen „Crescendo“ aufzuschwingen und in einem „Finale furioso“ zu enden. Wenn Christine ein Hörbuch vorliest, dann braucht man keine bewegten Bilder, die entstehen einzig im Kopf. Sie kann Worten Leben einhauchen.

Ich habe sie im Ohr und schließe meine Augen: in den letzten Wochen habe ich mich ganz nah an diese Person herangewagt und literarisch drückte sich das in der vertrauten Form des „Du“ aus. Im wahren Leben würde aus „Christine“ -  „Frau Baranski“ werden. Um allen Spekulationen vorzubeugen: ich kenne sie nicht, weder persönlich noch über Dritte. Ich habe keinen Kontakt zu ihr und auch keine Adresse, weder für Autogramme oder sonstige Briefe.

Meine Arbeit ist klassisch: Recherche (bis die Tastatur raucht), Bücher lesen, Informationen sammeln, vergleichen, abwägen, denken, denken, denken …. und dann hoffentlich interessant aufschreiben.

Natürlich: jeder würde seine Schwerpunkte in einer Biografie anders legen, hätte andere Filme oder Theaterstücke herausgegriffen. Christines Karriere ist umfangreich, manche Projekte waren nur für einen kurzen Moment bestimmt, schnelle Augenblicke in einem Film.

60 Jahre Leben lassen sich nicht in wenige Zeilen pressen, besonders dann, wenn man von dem „privaten Leben“ wenig bis gar nichts weiß. Ich traf während meiner Recherche immer auf die „professionelle“ Christine Baranski, im Rahmen eines Interviews oder einer öffentlichen Veranstaltung. Daraus zog ich meine Erkenntnisse.

Ein letzter Blick auf einen kurzen Clip von der SAG-Award Verleihung 1996: erfürchtet hält sie die schwere Skulptur in der Hand und fast schüchtern spricht sie in das Mikrofon: eine große Ehre sei es für sie, da die Auszeichnung von ihren Kollegen vergeben würde. Sie sei nur eine „supporting actress“ und dazu da, den „Star“ zu unterstützen. Und dann lächelt sie milde.

Ist da irgendwo ein Anflug von Zynismus oder gekränkte Eitelkeit? Aber nein, diese Frau strahlt eine gewisse Bescheidenheit aus, zwar gehüllt in Samt und Seide, aber dennoch schlicht und pur.

Sie beschließt ihre Dankesrede mit den Worten, dass sie nach diesen ganzen Veranstaltungen erst einmal wieder ein „normale Connecticut-Mutter“ sein möchte.

Ich lasse sie gerne gewähren!

 
© Koile 2009
 
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