| Vengeance...thy name is Mastercard Rache, dein Name sei Mastercard! |
||
|
Ausgerüstet mit schwarzer Lederjacke, Boots und Strumpfmaske, robbt sie auf allen Vieren durch Haus und Garten und führt nichts Gutes im Schilde. Ihr Auftrag: Stalken! Das Objekt: Dr. DICK! Nach getaner Arbeit elegant lässig auf dem Sofa sitzend, das Martiniglas immer gut gefüllt, diese Frau ist zufrieden mit sich und ihrer Welt. Nachher noch eine Therapiesitzung mit „Dr. Gold“ und das Leben der Maryann Thorpe scheint perfekt! Es ist ein neuer Frauentyp, der sich im US-Serienalltag vorstellt. Nach unzähligen Mutter-Typen, Hausfrauen, Detektivinnen, Ärztinnen oder Anwältinnen, gesellt sich ein neues Fabelwesen: die abservierte Ehefrau, die ihren Exmann finanziell ausgenommen und ihrem Leben einen neuen Sinn gegeben hat. Sein Leben zu sabotieren! Doch diese Frau ist nicht nur bitter, boshaft oder aggressiv, das alleine würde sie kaum liebenswert machen (und Maryann Thorpe ist liebenswert!). Nein, in all diesen Eigenschaften schwingt immer Herz und Seele mit. Eine Verwundbarkeit und Großzügigkeit, die in Kombination mit ihrem grandiosen modischen Auftreten den Zuschauer amüsiert und fasziniert. Diese Frau hätte man gerne zur Freundin, solange sie nicht beißt! „Die anstatt durch weise Lehren sich zum Guten zu bekehren,
Der Inhalt basiert auf dem wahren Leben von Cybill Shepherd, die auch Mitproduzentin der Serie ist. Cybill Shepherd, geboren 1950 im Memphis Tennesse, kann bisher auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Früh durch Schönheitsköniginnen-Wahlen einen gewissen Grad an Berühmtheit erlangt, zierte sie die Titelbilder bekannter Magazine. Später drehte sie den Film „The last Picture Show“ und die TV-Erfolgsserie „Moonlight“ mit Bruce Willis, verlor aber dann den Anschluss an den wirklich großen Erfolg. Durch verschiedene Affären, u. a. mit Elvis Presley erregte sie immer wieder öffentliches Aufsehen. Bekannt für ihre Art, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, engagiert sie sich aktiv für diverse politische wie frauenspezifische Themen. Ich stelle mir das vor meinem geistigen Auge vor: … und dann betrat Christine die Szene, endlose lange Beine im Minirock und High Heels! Brachte beim Vorsprechen jeden Lacher nach Hause, so sicher wie ein Homerun beim Baseball … Zweifel und innere Ablehnung hatte sie vorab ausgestanden. Mit sich gehadert und gerungen. Da war es nun, das Angebot! Fernsehen, Serie, Sitcom, etwas, wonach sie sich nie wirklich gesehnt hatte. “It was considered that you were stepping down by doing television. I almost turned Cybill down because I so wanted to remain a theater actress”. „Es wurde einfach angenommen, Fernsehen ist ein Rückschritt. Ich hätte „Cybill“ beinahe nicht angenommen, weil ich unbedingt als Theaterschauspielerin gelten wollte.“ Die New Yorker Theaterszene machte Christine den Abschied nicht schwer. Man befand sich in einem Umbruch, gute Produktionen wurden wegen Erfolglosigkeit umgehend abgesetzt, das Publikum blieb aus. Die 90er Jahre verpufften an ihrer eigenen intellektuellen Oberflächlichkeit. Von wöchentlichen $ 325,- Dollar-Schecks kann keiner leben. Für Christine war klar, mit „Cybill“ wurde ihr etwas angeboten, was sie eigentlich nicht ausschlagen kann. Der wirtschaftliche Aspekt einer Serie ist nicht zu unterschätzen: wenn es läuft, kann man sich auf Jahre finanziell absichern, die Kinder auf gute Colleges schicken und sich wiederum ab und an künstlerischen Projekten widmen, ohne sogleich eine Kosten-Nutzen-Rechnungen eröffnen zu müssen. Erfolgreiche TV-Serien können Freiräume schaffen und Türen öffnen, denn mit national oder sogar international wachsendem Bekanntheitsgrad verschieben sich die Grenzen Wahrnehmung. Christine stellte fest: “Mike Nichols fragte mich, ob ich im Film „The Birdcage“ mitspielen wolle. Mike und ich sind enge Freunde, aber er hatte mir bisher nie eine Rolle in einem seiner Filme angeboten. Meine Fernsehkarriere öffnete diese Türen für mich.“ “Mike Nichols asked if I would do The Birdcage. Mike and I are dear friends but he had never offered me a feature role in a movie. My television career opened other doors for me”. Der Scheinwerfer der öffentlichen Aufmerksamkeit nimmt ins Visier und der Schatten der 2. Reihe lichtet sich plötzlich! Obwohl gerade dieser Fokus Christine nicht behagte. “I'm sad to say that stardom is a commodity in our culture”. “Ich muss leider feststellen, Berühmtsein ist wie eine Ware in unserer Kultur”. „Cybill“ wurde in Los Angeles produziert und Christine hatte nicht vor, die Familie an die Westküste umzusiedeln. Das beschauliche Landleben in Connecticut schien ihr für ihre Kinder besser geeignet zu sein, als das latent überzogene Los Angeles. Eine Stadt, die getrieben und bestimmt wird von der Unterhaltungsindustrie, wo der Schein mehr zählt, als das Sein! Um es vorweg zu nehmen, die 3 Jahre Pendlerleben waren für Christine nicht nur Paradies. Jeder Mensch, der Elternteil ist und getrennt die Woche von seiner Familie verbringen muss, kennt das Gefühl des immer wiederkehrenden Abschiednehmens, die Distanz, die man überbrücken muss, die familiären Lücken, die entstehen, weil man schlicht nicht vor Ort ist. Ob LKW-Fahrer, Montagearbeiter oder Handels-vertreter, diese Spannung muss man aushalten können. Sie kannte diese Spannung nur zu gut. Schuldgefühle plagten sie, als sie nach der Geburt des 1. Kindes ihre Arbeit wieder aufnahm. In ihrem Kopf setzte sich der Gedanke fest, es könnte ihrem Kind schaden. Die Vereinbarkeit von Kinder und Beruf wird das ewige Dilemma für Frauen bleiben. Auch mit verbesserter Tagesbetreuung bleibt der Spagat zwischen Mutterrolle und persönlicher (auch beruflicher) Entwicklung. Doch zurück nach LA: Christine mietete sich in einem Hotel ein, lieh sich wochenweise ein Auto, eröffnete nicht mal ein Bankkonto in der Stadt. Kaum war eine Arbeitswoche beendet, hastete sie zum Flughafen und flog zurück. Keine Zeit zuviel wollte sie dort verbringen. Der Erfolg der Serie stellte sich rasch ein und mit dem Erfolg wurde sie bekannter und beliebter. Sie avancierte zum heimlichen Star der Show, was von der eigentlichen Hauptakteurin kritisch beäugt wurde. Cybill und Christine – die Presse hatte einiges zu schreiben, aber all diese Gerüchte und Geschichten sollen hier nicht mehr vertieft oder nochmals erzählt werden. Es hatte vielleicht etwas von Stan Laurel und Oliver Hardy, die als Komödianten Filmgeschichte schrieben, aber privat eher distanziert blieben. Auf der Leinwand ergänzten sich ihre Charaktere perfekt, sie schoben sich die Bälle zu, jonglierten mit Einfällen und Ideen (und ab und an auch Klavieren). Wen kümmert es, ob sie nach getaner Arbeit einträchtig zusammen saßen? Auf dem Bildschirm präsentierte sich die Frauenfreundschaft „Cybill-Maryann“ sympathisch: sie waren füreinander da, sie teilten ihren Alltag und hatten einfach eine Menge Spaß (und dazu Martinis). Maryann Thorpe war eine gelungene Neuentwicklung eines Frauentyps in einer US-Sitcom und die Initialzündung einer ganzen Reihe interessanter Frauentypen. Vielleicht hätte es eine „Samantha Jones“ aus „Sex and the City“ oder auch die „Desperate Housewives“ nicht gegeben, wenn es Maryann Thorpe nicht vorgemacht hätte. Oder auch eine Carrie Bradshaw (ebenfalls Sex and the City), die anstatt des Martinis Cosmopolitans kippte und sich an ihrer Zigarette festhielt, wie Maryann am Martiniglas. Diese Charaktere stehen für eine Generation Frauen, die über 40 Jahre sind, finanziell unabhängig, sich Freiheiten heraus nehmen können und eine gewisse Unsicherheit hinter der perfekt geschminkten Fassade verbergen. Das macht sie so menschlich und dadurch dem Zuschauer zugänglich. “Ich glaube, was uns nicht tötet, macht uns bitter“, schreibt Chuck Lorre auf seiner Webseite und bringt damit das Motto von Maryann Thorpe auf den Punkt. Chuck Lorre, Jahrgang 1952, ist erfolgreicher Serienproduzent, Schreiber und Musiker, der sein Debüt mit der Serie „Grace under Fire“ (1993) gab. Später gesellten sich noch weitere Hitshows wie „Dharma und Greg“ sowie die „Big Bang Theory“ dazu. Lorre packte die Anekdoten und Stimmungen der realen Cybill Sheperd in witzige Dialoge und legte sie zielgerecht den Protagonistinnen in den Mund. Doch Fernsehen ist ein schnelles Medium und die Zuschauer-Quote ist das ewig schwebende Damoklesschwert. Wer Quote macht, verkauft Werbung. Wer Werbung verkauft, ist gut für das Sender. Zuckt der Zuschauer nur mal kurz mit der Fernbedienung, wird korrigiert. Man sagt, „zu viele Köche verderben den Brei“, bei „Cybill“ kochten (wie bei anderen Serien auch) viele Köche mit und wenn der Brei dann langsam zäh und fade wird, dann kommt das Produzenten und Autorenkarussell so richtig in Fahrt. Während der 4 Staffeln versuchten sich unterschiedliche Personen als Produzenten und Dialogschreiber, doch die Serie wurde 1998 aus dem laufenden Betrieb genommen. Die letzte Folge war eigentlich noch als Zweiteiler gedacht, das Publikum mit dem vielsagenden Satz „Fortsetzung folgt“ vertröstet. Fortgesetzt wurde nicht, sondern nur abgesetzt! Gründe für den Abbruch wurden direkt nicht bekannt, vielleicht wurde dem Sender die zuweilen offenherzige Art von „Cybill“ zu viel. Für Christine standen die letzten Folgen unter keinem guten Stern. Ihr Bruder Michael verstarb plötzlich im Alter von nur 48 Jahren. Nachdem sie früh den Vater verloren hatte, nun auch den Bruder.
1995 den „Emmy“ als beste unterstützende Schauspielerin in einer Serie, für den noch begehrteren „Golden Globe“ wurde sie 1996 und 1997 nominiert. Ihr Co-Star ging trotz Nominierungen leer aus. Das Muster der Cybill Shepherd wiederholte sich: den wirklichen Erfolg musste sie anderen überlassen. War die Serie „Cybill“ Fluch oder Segen für Christine? “It's the thing that you do well that brings you to prominence. The very thing that brings you to success can also be like a curse, because then people think that's all you can do”. „Das, was du wirklich gut kannst, macht dich prominent. Aber genau diese Sache kann auch ein Fluch sein, weil die Menschen glauben, das wäre alles, was du kannst“. Sicher: sie schien plötzlich DER Prototyp für den luxuriösen, trinkfesten, latent arroganten, immer stilsicheren Frauentyp zu sein und wurde entsprechend besetzt. “You are always damned by things that you do well as an actor”. „Du bist immer verdammt als Schauspieler, für das, was du gut kannst“. Das Stigma einer erfolgreichen Serienfigur klebt manchmal ein Leben lang an einem Schauspieler, der es gewohnt ist, Rollen stundenweise als Maske über sich zu ziehen und nach dem letzten Vorhang wieder abzulegen. Doch nun ist alles anders – bei ihrer jährlichen Bibliothekslesung in Bethlehem wird das erfahrbar. Wo sich sonst ca. 75 Leute einfanden, brauchte es auf einmal einen Sicherheitsdienst, um den Andrang der Menschen zu kanalisieren. Gekommen waren sie, um „Maryann“ zu sehen, wenn sie dann „nur“ Christine erleben würden - auch gut. Die Grenzen zwischen der realen und fiktiven Person verschwammen. Wer so überzeugend eine Frau spielen kann, bei der ein Martiniglas als natürliche Verlängerung der Hand angesehen wird, der muß auch privat so sein. Christine betonte immer wieder, zu allererst glückliche Ehefrau und „Connecticut Mutter“ zu sein. Doch manch einem kam das irgendwie abstrus vor. Wie kann eine Frau, die mit perfekt gestylten Haaren und Fingernägeln auf einer Chaiselongue liegt, ihr eigentliches Seelenheil in Hausarbeit und Kinderbetreuung sehen? Die begeisterte Öffentlichkeit neigt häufig dazu, Schablonen zu formen und in Schubladen zu stecken. Die Medien ziehen mit, der Glaspantoffel wird schon passend gemacht und dann wird getanzt! Plötzlich darf sie Preise überreichen (Tony Award), wird zu Paraden eingeladen und ihre ehemalige Heimatstadt Buffalo ruft den „Christine Baranski Day“ aus, inklusive Zeremonie, Rede des Bürgermeisters, Portrait, Urkunde und Ehrendoktorwürde der Niagara Universität (Dr. of Fine Arts). Christine empfand das zwar alles als schmeichelhaft und ehrenvoll, aber es irritierte sie gleichsam. Sie hatte sich nicht verändert, doch die Umwelt setzte sich nun seine eigene Brille auf. Im Jahr 2000 entschied sie sich wieder für ein TV-Projekt und diesmal nicht nur in der Funktion als Schauspielerin, sondern auch als Mitproduzentin der CBS Sitcom „Welcome to New York“. „Cybill“ hatte sie eins gelehrt: es reicht manchmal nicht aus, nur seinen Text zu sprechen, nein, manchmal muss man im kreativen Prozess mit seiner Meinung verankert werden. Die Verantwortlichen bei CBS kamen ihrem Wunsch nach und nun saß Christine auch auf der anderen Seite des Tisches.
Marsha Bickner scheint die logische Weiterentwicklung von Maryann Thorpe. Ebenso abgeklärt wie arrogant hält Marsha die Fäden in der Hand, dennoch schwingt in all ihren Aktionen eine unterschwellige Wärme und Verletzlichkeit mit. Marsha ist ein Produkt aus dem täglichen Wahnsinn einer Fernsehsendung, den neurotischen Mitarbeitern und dem Flair der Stadt New York. Dennoch will der Funke auf den Zuschauer nicht so recht überspringen und nach nur 3 Monaten (11.10 2000 – 17.1.2001) ist Schluss. CBS war mit der Quote nicht zufrieden und stellte die Serie ein. „Das, was du besonders gut kannst, kann zum Fluch werden“. Das Geheimnis eines Schauspielers liegt in der Wandlungsfähigkeit. Immer den gleichen Frauentyp zu verkörpern, lässt einen vorhersehbar werden. Die Qualität liegt in der Bandbreite. 2003-2004 kehrte Christine in der Rolle der überfürsorglichen Mutter „Annie Brennan“ in der Serie „Happy Family“ auf den Bildschirm zurück.
„Annie Brennan“ ist das, was man eine besorgte, liebende, aber durchaus auch kontrollierende Mutter nennen würde. Ihrem eigenen Wesen näher als die bisher verkörperten Frauen läßt Christine diese Rolle annehmen, denn sie wollte nicht als Martini-haltende, Kreditkarten-schändende, rachsüchtige Ehefrau einem Fernsehpublikum in Erinnerung bleiben. Leider zeigte sich auch hier das typische Serienschicksal: Ideen werden am laufenden Meter produziert, das Rad kann nicht neu erfunden werden und Familienserien gibt es wie Sand am Meer. „Happy Family“ war ein netter Versuch, aber ohne besonderen Kick. Die Chemie zwischen Christine und John Larroquette war zwar überzeugend, doch das alleine reicht heute nicht mehr aus, um den Zuschauer Woche für Woche „moralisch“ zu verpflichten, den Kanal einzuschalten. Nach 22 Folgen war auch hier Schluß. „Fernsehen ist ein schnelles Medium, es gibt wenig Zeit über den Dingen zu brüten, alles muss schnell produziert werden“, stellte sie danach fest. Dennoch bleibt sie diesem Medium treu, übernimmt immer wieder Gastrollen in unterschiedlichen Serien. Eins ist gewiss: sie weiß, wie man ein Martiniglas besonders elegant hält! |
||
|
||


Für ihre herausragende Arbeit in „Cybill“ gewann Christine diverse begehrte Fernsehauszeichnungen
Zum Inhalt der Serie: Marsha Bickner ist Programmchefin einer New Yorker Infotaiment-Sendung, AM NY, die sie mit harter Hand und eben solcher Attitüde leitet. Als sie den Meteorologen Jim Gaffigan (gespielt von dem Komiker Jim Gaffigan) in ihr Team holt, prallen Welten aufeinander. Jim, gebürtig aus Indiana mit bodenständigem Charakter trifft auf die versnobte New Yorker Gesellschaft. Mit viel Elan und ländlichem Charme versucht er das menschliche hinter der geschäftigen Fassade seiner Kollegen freizulegen.
An der Seite von John Larroquette als Zahnarzt Dr. Peter Brennan, versuchen die beiden ihre 3 erwachsenen Kinder aus dem „Hotel Mama“ zu vertreiben.