|
„Wo war sie all die Jahre und wo kommt sie plötzlich her“? fragten sich viele begeisterte Fernsehzuschauer, die 1995 die Bekanntschaft mit „Maryann Thorpe“ machten. Exzentrisch, eloquent, elegant und immer ein Martiniglas in der Hand. In der Sitcom „Cybill“ tauchte ein neues Gesicht am Serienhimmel auf – und das mit 43 Jahren! Während andere Schauspielerinnen ihre TV-Karriere gezwungener Maßen auf Grund der 40er Schallmauer beenden müssen, startete sie erst durch. Christine Baranski! Christine wer? Genau, eben! Christine war zu jener Zeit an den New Yorker Bühnen und am Broadway zu Hause, aber eine eher unbekannte Größe im US-Fernsehen und das sollte sich mit dieser Serie ändern. Ich lernte „Maryann Thorpe“ erst 2008 kennen – eine Freundin schenkte mir die „Cybill DVD-Boxen“ als vergnüglichen Zeitvertreib und diese Frau schoss sich sogleich in meine Gehirnwindungen und floss pulsierend durch die Adern. Widerstand erschien mir relativ zwecklos! Suchanfragen über Christine Baranski im Internet ergeben zwar viele Treffer, aber es fehlt die komprimierte Fassung der vielen Zahlen, Daten und Fakten. Mein Interesse war geweckt; diese biografische Reise wollte ich unternehmen. Georg Christoph Lichtenberg formulierte einst den Satz: „An jeder Sache etwas zu sehen suchen, was noch niemand gesehen und woran noch niemand gedacht hat… doch diese monströsen Gedanken haben auch ihren Nutzen, an der Grenze liegen immer die merkwürdigsten Geschöpfe“. Die Arbeit einer (selbsternannten) Biografin ist aufregend und irritierend zugleich: Irritierend, weil man über eine Person schreibt, die man persönlich nicht kennt, deren Spuren man mittels Recherche versucht zu rekonstruieren, Orte zu beschreiben, die man nicht gesehen, Zeitströmungen wahrzunehmen, die man selbst nicht erlebt hat. Man begibt sich auf eine persönliche Ebene, die nur aus der Distanz entsteht, nur durch Interviews, Artikel und Bilder. Es scheint, Christine ist der klassische Fall der 2. Reihe. Es sind diese Schauspieler, die man irgendwann-irgendwo schon gesehen hat, aber ein Name passend zum Gesicht will einem nicht einfallen. Aber gerade diese Schauspieler sind ausgestattet mit Talent, haben eine fundierte Ausbildung, beherrschen die hohe Kunst von Drama und Komödie, beides zu gleichen Teilen. Ihre Variationsmöglichkeiten sind beträchtlich, sie können singen, tanzen, sie könnten vielleicht sogar das Telefonbuch vorlesen und man wäre noch beeindruckt. Christine ist seit über 40 Jahren im Showgeschäft. Man kann es ihren Fähigkeiten und ihrer professionellen Einstellung zuschreiben, dass aus dem unscheinbarenpolnischen Mädchen aus Cheektowaga mit dem markanten Profil eine gefragte Mitspielerin wurde. Denn als solches versteht sie sich, als Mitspielerin, als Teamplayer. Jemand, die ihre Energie in den Dienst einer Sache stellt, damit am Ende das bestmögliche Ergebnis entsteht. Ich schaue genau hin! Ein Foto von der „Mama Mia“ Premiere 2008.
Hohe Wangenknochen verleihen dem Gesicht eine besondere Schönheit. Keine Hollywood-Botox-verzogene Physiognomie, keine verschnittene Optik, keine Designer-Nase klebt in diesem Gesicht. Hier erscheint ein „wildschöner Mensch“ (Zitat Lichtenberg), die Augen verraten den gewissen Schalk, die Stirn eine kluge Mischung aus Leben und Erfahrung. Ein mildes, freundliches Lächeln umgibt den Mund, aber: dieses Lächeln kann auch giftig, zynisch, süffisant daher kommen. Maryann lässt grüßen! Christine hält sich seit je her in der Öffentlichkeit über allzuviel Privates bedeckt. So etwas mutet heute eigen an, weil gerade Schauspieler die Presse und das öffentliche Interesse zu ihren Gunsten nutzen wollen. Vielleicht offenbart sie mit dieser Verweigerungshaltung ihr Verständnis von diesem Beruf: man macht seinen Job und den macht man gut. Alles andere hat nicht zu interessieren. Dominique Laure Miermont schreibt im Vorwort zu ihrer Annemarie Schwarzenbach Biografie: „Der Biograph entfernt nicht den Schleier, sondern er begnügt sich damit, ihn anzuheben, mit einer scheuen Geste, in der sein Respekt vor jener Person sich ausdrücken sollte, die zu „entdecken“ er sich erlaubt.“ Ich erlaube mir zu entdecken! Hoffentlich nicht zu viel, nicht zu wenig, eben das rechte Maß, um dem Leser am Ende dieser Reise einen interessanten Menschen näher gebracht zu haben. Vielleicht huscht einem zukünftig ein Lächeln über das Gesicht, wenn man sie auf einer Leinwand/TV-Bildschirm sehen wird. Zu dem Gesicht gesellt sich dann ein Name und der Schatten der 2. Reihe lichtet sich. |

Klare strahlende Augen umringt von feinen Fältchen, ein Leberfleck an der linken Wange, neckisch wie ein Schönheitspflästerchen.