“Ich wünsche sehr der Menge zu behagen, |
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| Aus: Faust – Der Tragödie 1.Teil, Vorspiel auf dem Theater, Johann Wolfgang von Goethe |
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| Auf einer Bühne stehend in direkter Nähe zum Publikum, dessen Emotionen man unmittelbar erleben kann, das gibt den Adrenalin-Kick. Hier gibt es keine 2. Chance – im Gegensatz zu Film und Fernsehen. Und ein Publikum vergisst nicht. Wer bestehen will, muss just in diesem Moment gut sein. Kein Teleprompter, an dem man seinen Text ablesen kann, keine diversen Versuche, um es „besser zu machen“. Gegenwärtig im Augenblick zu sein, ist das Maß aller Dinge. Bühne, das ist der intimste Rahmen eines Schauspielers. Die berühmte Schauspiellehrerin Stella Adler sagte einst: „In your choice lies your talent“ „In deiner Entscheidung liegt dein Talent.“ Es war vielleicht eine bewusste Entscheidung von Christine, sich vorrangig auf eine Theaterkarriere zu konzentrieren und weniger der Versuchung zu erlegen, durch schnellen Erfolg ein Film- oder Fernsehstar werden zu wollen. Kann man überhaupt ein „Star“ werden? Glaubt man heutigen Fernsehformaten, könnte man annehmen, eine Casting-Show wird es schon richten. Mit einer Blockflöte bewaffnet stehen einem alle Türen zur großen Karriere offen, der Ruf des „Superstars“ lockt. Nur: wie lange ist die Halbwertzeit eines solchen „Stars“? 4-fach Oscar-Preisträgerin Katharine Hepburn schrieb in ihren Memoiren, dass sie in jungen Jahren die Entscheidung traf, keine Schauspielerin sein zu wollen, sondern ein Star! Bei ihr traf sich der glückliche Zufall, dass sich schauspielerisches Talent und Starqualitäten deckungsgleich übereinander schoben. Was ist ein Star? Worin liegt der Unterschied zu einem gewöhnlichen Schauspieler? Glück? Zufall? Größeres Ego? Oder sieht man einfach in Designer-Mode besser aus? Ob Christine viel über Stars, Ruhm und glamourösem Leben nachgedacht hatte, als sie 1970 mit 18 Jahren nach New York ging? Wohl kaum! Fest steht, in ihrer Entscheidung sich dem Julliard anzuvertrauen und eine 4 jährige Ausbildung zu absolvieren, die sicher sehr strapaziös war, lässt auf eine Ernsthaftigkeit und Seriosität für diesen Beruf schließen, die sich am Ende als richtige Entscheidung im „Adlerischen Sinne“ herausgestellt hat. Wobei sie sich die Aufnahme in das Schauspielprogramm hart erkämpfen musste: auf Grund einer Zahnlücke klangen ihre S-Laute gelispelt. Ein einjähriges Sprachtraining korrigierte diese Unzulänglichkeit. Namhafte Theater- und Schauspielerpersönlichkeiten wie Marian Seldes oder auch Michael Kahn unterrichteten am Julliard. Letzterer verhalf Christine zum Start ihrer Karriere, förderte und forderte sie, ließ sie Hauptrollen übernehmen und verschaffte ihr einen Agenten. Es Bedarf vieler Menschen, um einen Charakter zu formen, Kahn war einer davon. Wo legt man den Schwerpunkt seines Wirkungskreises – im Kino? – im Fernsehen? Oder nur im Theater? Am besten natürlich bei allen Dreien, denn Schauspieler gibt es in New York wie Sand am Meer und Arbeitslosigkeit ist Programm. Alle sind sie ambitioniert, hoffnungsvoll, warten auf den großen Sprung, den Durchbruch, die Rolle ihres Lebens. Und während sie warten, kellnern sie in billigen Kneipen oder halten sich mit Aushilfsjobs über Wasser. Christine blieb vorerst am Theater und spielte die unterschiedlichsten Rollen. Es sind Lehrjahre, die bekanntermaßen keine Herrenjahre sind! Berthold Brecht schrieb in einem Essay „Theater als Sport“: „Das Kino ist was für die armen Teufel, die ihren Hunger nach Handlung und Romantik stillen wollen, rasch im Vorbeigehen, drei Selbstmorde für achtzig Pfennige, eingewickelt in Lehren, wie man sich im Salon benimmt dazu Harmonium und schöne Landschaften, das Kino, das ist Speiseanstalt, ein Automat, ein Asyl für geistig Obdachlose – aber das Theater ist für die feineren Genießer. … Man muß ins Theater gehen wie zu einem Sportsfest. Es handelt sich hier nicht um Ringkämpfe mit dem Bizeps. Es sind feinere Raufereien. Sie gehen mit Worten vor sich. Es sind immer mindestens zwei Leute auf der Bühne, und es handelt sich meistens um einen Kampf. … Man sieht in die Leute hinein, man muß nur scharf zugucken… die kleinen Tricks sind das Interessante.“ New York hat schon vielen Menschen eine Heimat geboten. Die Stadt, „die niemals schläft“ galt in den späten 60er Jahren als Wiege gesellschaftlicher Strömungen – es war eine Ära der Rebellion und des sozialen Umbruchs. Kulturelle, soziale und künstlerische Bewegungen kanalisierten sich und wurden teilweise zu radikalen Triebkräften. Die Anti-Kriegsbewegung nahm gesellschaftlichen Raum ein. Alles Politische war privat, alles Private politisch. Die Kulturszene heizte sich selbst auf. Die Schwulenbewegung schob sich mit ausgewählten Ikonen an die Spitze. Andy Warhole gründete seine „Silver factory“, Susan Sontag kritisierte mit spitzer Feder den bonierten New Yorker Intellektualismus und proklamierte einen neuen Stil der Verbindung zwischen Hoch- und Massenkultur, die bis dato streng von einander getrennt wurden. Künstlerische Zirkel formierten sich, in diese elitären Gruppen hatte man nur durch entsprechende Verbindungen Zugang. Es gab „Happenings“ (spontan-kulturelle Performances), „Camp“ (ein Stil bestehend aus Kitsch und Klischee und Susan Sonntag beschreibt: „Zum Wesen des Camp gehört die Liebe zum Unnatürlichem“) und das Avantgarde Theater entwickelte sich in der Subkultur, um mit seinen anarchistischen Ansätzen das bisher bekannte traditionelle Sprech- und Bildungstheater zu unterwandern. Auch Christine machte schon während ihrer Zeit in Buffalo Erfahrungen mit dem Avantgarde Theater. In einem 2-Personen-Stück von James Cheville „The Master“, spielte sie eine junge Frau, die von einem älteren Mann unterrichtet wurde, was es heißt, „Amerikanerin“ zu sein. Der „radikale“ Aufhänger des Stückes war u.a. ihr Kostüm, das aus einer amerikanischen Flagge geschneidert war – da man aber Flaggen öffentlich nicht als Kleidungsstück tragen durfte, war Vorsicht geboten. Sollte die Polizei auftauchen, dann musste Christine im Waschraum abtauchen. Sie besuchte Workshops des „Open Theatres“ eine neue avantgardistische Theaterbewegung, die von Joseph Chaikin begründet wurde. Vielleicht hätte ihre Karriere einen völlig anderen Verlauf genommen, wenn sie weiter in der Subkultur getingelt wäre. In den folgenden Jahren spielte Christine in den unterschiedlichsten Produktionen, u.a. in Moliere, Shakespeare, Shaw. Wie ein Uhrwerk pendelte sie zwischen den zig Theatern in der Region. Es war bei einem solchen Arbeitspensum nur eine Frage der Zeit, wann der Ruf an den Broadway erfolgen würde. Um nochmals auf Brecht zurückzukommen – er schreibt in seinem Aufsatz „Das Theater am Broadway“ (1944/47) „Das Theater dieses Kontinents wird gemacht am Broadway. Vier oder fünf Häuserblocks im unteren Teil von New York, einem sehr alten Teil, wo keine Turmhäuser stehen, enthalten ein paar Dutzend Theater, baufällige, dürftig beleuchtete Baracken mit Plüsch und Stuck. Ganze Ränge sind von der Baupolizei gesperrt, und nach den Vorstellungen wird das feine Publikum von den Ratten abgelöst.“ Erfolg und Misserfolg heißen die Geschwister am Broadway. Wer sich dort auf die Bretter wagt, muss mit allem rechnen: Sieg oder Niederlage, gefeierter Star oder doch Kellnerin im nächsten billigen Fastfood Schuppen. Hier können sich Karrieren entscheiden. Christine wagte 1980 ihr Broadway Debüt in dem Stück „Hide and Seek“ von Lezley Havard im ehrwürdigen Belasco Theatre. Leider waren es nur 8 Vorstellungen, die sie in der Zeit vom 4.-11.5.1980 spielte. Es sollte nicht ihr letztes Gastspiel sein. |
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